Nordische Ski WM 2021

WM DAHUIM – Nordische Ski Weltmeisterschaften 2021 in Oberstdorf

Nach 1987 und 2005 war Oberstdorf wieder Gastgeber der Wettkämpfe in der Nordischen Kombination, im Skispringen und Langlauf. Wir haben uns zweieinhalb Jahre vorbereitet und Ideen entwickelt, die mit dem engen Korsett der FIS kompatibel waren: Ökumenischer Eröffnungsgottesdienst, Kirchen-Iglu im Park, Offene Kirche, Ausstellung, Zusammenarbeit mit SRS (Sportler ruft Sportler) und dem Christlichen Freizeitheim Krebs, das parallel zur WM eine Sportmentoring-Freizeit geplant hatte. Eine „WM dahuim“ ist schon was Besonderes. Sie war es tatsächlich. Ohne Publikum. Dafür mit stillem Papplikum und ein paar lebendigen volunteers auf den Tribünen. Die vielen Fans, die die Athlet*innen zu Höchstleistungen angefeuert und unseren Ort in ein buntes Sprachen- und Farbenmeer verwandelt hätten, haben uns gefehlt.

Es ist wohl die höchste Form der Gastfreundschaft, die die Oberstdorfer Bevölkerung aufgebracht hat. Denn Einzelhandel und Gastronomie gingen während des Lockdowns nahezu leer aus. Und wer wusste bei den Hoteliers schon, ob sie mit den Teams, der Presse und den Funktionär*innen wirklich Engel beherbergen (Hebräer 13, 2) oder ob nicht das Virus mit dem Sporttross Einzug in Oberstdorf hält. Die Skepsis im Vorfeld war ebenso groß wie die Erleichterung danach: nur neun Corona-Infektionen bei 23.000 Tests wurden nachgewiesen. Es ist das buchstäbliche Glück der Tüchtigen, die ein einwandfreies Hygiene- und Sicherheitskonzept auf die Beine gestellt haben.

Als evangelische Kirche haben wir uns bewusst aus der Sportblase herausgehalten. Der Gewinn stand für uns nicht im Verhältnis zum Aufwand. Ein ökumenisches Angebot kam nicht zustande. Dennoch konnten wir geistliche Akzente setzen. Inspiriert von den olympischen Heften „Mittendrin“ haben wir die Broschüre „Aufwind“ mit Gebeten und kurzen Texten herausgegeben. Die deutsche Ausgabe haben wir in der Christuskirche sowie in den Mannschaftshotels der deutschsprachigen Teams zusammen mit der Sportlerbibel „MORE“ von SRS verteilt. Beides wurde von den Hoteliers meist freudig aufgenommen. Zusammen mit der englischen Version „Updraught“ stand das Heft allen Akkreditierten und volunteers digital zur Verfügung. Ergänzend dazu wurde „Aufwind“ auf der Homepage der Kirchengemeinde www.oberstdorf-evangelisch.de und facebook verbreitet. Inspiriert durch eine Andacht von Eugen Eckert widmete sich der Sonntagsgottesdienst zur WM dem Thema „Von der Schönheit des (Sports)Geistes“.

Auch wenn das offizielle kirchliche Programm für die „WM dahuim“ am Ende eher dünn ausgefallen ist. Geistliche Wege zu den Sportler*innen sind trotzdem gegangen worden. Der österreichische evangelische Pfarrer Jörg Walcher (siehe auch www.beyond-gold.org) war akkreditierter Betreuer eines für Bolivien startenden finnischen Langläufers und durch seinen Status Kontakt zur österreichischen und italienischen Mannschaft. Sein Angebot zu Gebet und Seelsorge wurde bei diesen Teams dankend angenommen.

Was bleibt von der „WM dahuim“. Ein großes Durchatmen, dass alles gut gegangen ist. Ein Lob dem lieben Gott, der die Gesundheit bewahrt hat in diesen Tagen. Ein Lob den Organisator*innen für weltmeisterliche Anlagen und Loipen bei frühlingshaften Temperaturen. Freude am Oberstdorfer Goldjungen Karl Geiger. Und fabelhafte Bilder aus dem Oberallgäu, die sich durch alte und neue Besucher*innen im südlichsten Ort Deutschlands künftig auch wirtschaftlich auszahlen werden – wenn wir wieder alle so dürfen, wie wir wollen.

Roland Sievers, Pfarrer in Oberstdorf