Zum Thema Olympia und die Bibel

Immer schneller, höher, weiter?

 

Liebe Freundinnen und Freunde von Kirche und Sport,

manche unter Ihnen werden stöhnen nach den Wochen der Fußball-EM im TV, jetzt im TV wieder den ganzen Tag über Sport. Diesmal Bilder und Nachrichten von der Sommerolympiade in Rio de Janeiro in Brasilien. Etliche sagen ohnehin, dass die ganze Sportwelt nur noch kommerzialisiert ist und mit der eigentlichen Idee des Sports nicht mehr viel zu tun hat. Dennoch fasziniert der Sport weltweit Millionen von Menschen.

Was ist dran an dem „friedlichen Wettstreit der Jugend der Welt“, wie die Ursprungsidee der Olympischen Spiele der Neuzeit einmal genannt wurde? Lebt diese Idee noch, zumal es doch kaum noch echte Amateure bei Olympia gibt?

Und ist dieser Wettbewerb nicht ursprünglich heidnisch, geboren im antiken Griechenland und hat mit unserem christlichen Abendland doch gar nichts zu tun?

Was sagt eigentlich die Bibel zum Sport?

Nicht viel. Es gibt kaum Bibelstellen, die darauf eingehen, außer der berühmten Stelle bei Paulus mit der Kampfbahn 1. Korinther 9, 24-27:

24 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. 25 Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. 26 Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, 27 sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.

Daran erkennt man, dass dem griechisch-sprechenden römischen Bürger Paulus die Sportwelt nicht fremd war.

Andererseits war den Frommen der biblischen Zeit die Tatsache, dass hier Männer nackt Sport trieben ein Gräuel. Zudem hatte der Sport auch eine militärische Komponente, war dazu da die Wehrkraft der jungen Männer zu stärken.

Und die Bibel lehrt doch Feindesliebe und „Du sollst nicht töten“.

So gesehen hatte der Sport in der Tat lange Zeit keine Sympathie in christlichen Kreisen. Erst im 19. Jahrhundert verbündete sich in den Turnerbünden das Christliche mit dem Sportlichen. Nicht umsonst hieß es beim Turnvater Jahn „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“. Aber auch danach war die Kirche noch lange von einer gewissen Leibfeindlichkeit (-und Sexualfeindlichkeit) geprägt.

Aus heutiger Sicht ist das olympische Motto „Höher, schneller, weiter“ auch noch aus anderen Gründen verdächtig: Haben wir doch vor allem in der evangelischen Ethik seit Luther gelernt, dass der Mensch auch ohne Leistung von Gott geliebt ist, dass die Schwachen und Verlierer besonders von Christus selig gesprochen werden.

Wie passt das zu einer Sportwelt in der nur die auf dem Treppchen stehen zählen, streng genommen schon der Zweite nicht mehr in den Medien beachtetet wird?

Sie sehen also liebe Gemeindebriefleserinnen und Gemeindebriefleser, es gibt aus theologischer Sicht gute Gründe ein Sportskeptiker zu sein, gerade was die moderne Form des Leistungssports betrifft, abgesehen davon, dass 9 Sekunden Sprint auf 100 Meter und 8,90 Meter Weitersprung ohne Doping nicht zu schaffen sind.

Gibt es nicht doch ein gutes Argument für den Sport?

Ja, erstens die Vernunft: Sport in gewissen Maßen ist gesund und macht Spaß. Zweitens: Gott hat uns einen Körper geschenkt, der auch gefordert werden will. Drittens: Gerade im spielerischen Menschen ist etwas vorweggenommen von der Freiheit der Kinder Gottes.

Und zu guter Letzt:

Mir ist es lieber die „Jugend der Welt“ trifft sich alle vier Jahre um sich im Spiel und Wettkampf zu messen, als sich in dutzenden Kriegen gegenseitig umzubringen.

Und das war ja mal eine gute olympische Version, die der biblischen Version von der friedlichen Völkerwallfahrt zum Zion sehr nahe steht.

Sehen Sie sich also gerne die Olympischen Spiele in Rio an und vergessen Sie nicht auch selbst ein wenig Sport dabei zu treiben, wünscht Ihr Martin Voß, Sportpfarrer