Predikt des BLSV-Gottesdienstes am 23.09.17 in Vilsalpsee

 

BLSV-GOTTESDIENST AM 23.9.17 UM 11.00 AM VILSALPSEE

 

Intrade Posaunenchor

 

Begrüßung

Kollekte: Schwimmunterricht für Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Donauwörth

 

EG 455, 1-3

 

Gebet

Jesus Christus, du hast uns zugerufen: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“.

Umsorge mich mit deiner Liebe, Herr! Denn bei dir bin ich zuhause. Deine Kinder erfahren deine Kraft. Du schenkst Leben. Ständig erfüllst du mich mit Atem. Du gibst mich nicht auf. Du zeigst mir den Weg in mein Leben. Darum bleibe ich bei dir für alle Zeit. Darum bleibe ich bei dir überall. Amen.

 

Lesung (nach den „Seligpreisungen“ Matth. 5)

Selig, die verlieren können und trotzdem an sich glauben.

Selig die Zweiten und die Folgenden, die Freude an der Gemeinschaft haben.

Selig, die den Sieg als Geschenk annehmen.

Selig, die im Kampf das Wohl des andern nicht aus dem Auge verlieren.

Selig, wer im Gegner den Mitmensch sieht. Es wird aus ihm ein christliches Angesicht leuchten.

Selig die Gewinner, weil sie wissen, dass sie nichts sind ohne die anderen.

Selig die auf der Ersatzbank sitzen, denn sie gehören dazu.

Selig die mit dem Teamgeist, denn sie werden nicht alleine sein.

Selig die fairen Sportler, denn sie sind die wahren Gewinner.

Selig, die das Spiel des Lebens gewinnen, denn sie werden ewig jubeln.

Amen.

 

Glaubensbekenntnis

 

010, 1-4

 

Predigt

Liebe Sportfreunde, liebe Gemeinde am Vilsalpsee,

Fußball- und Vereinskunde seien der Anfang dieser Predigt. Fußballkunde und Vereinskunde. Wir machen das so: ich sage Ihnen den Verein, und Sie sagen mir, wen Sie aus diesem Verein kennen. Ein einfaches Beispiel: TSV Nördlingen und Gerd Müller. Kennt jeder. Oder ganz aktuell aus dem Interview in den RN von vorgestern für uns Rieser Carolin Hingst, TSV Harburg, als derzeit prominenteste Aktive. Die anderen, die ich jetzt nenne, kennt ebenfalls ein jeder. Das verspreche ich Ihnen! Ich beginne mit dem Verein, Sie sagen mir den Sportler. Los geht’s:

Freie Turnerschaft Gern und … Philipp Lahm.

FC Greifswald und … Toni Kroos.

TSV Pähl (im Landkreis Schongau) und … Thomas Müller.

Rot-Weiß Ahlen und … Marco Reuß.

FV Oberaudorf und … Bastian Schweinsteiger.

Tennis-Borussia Berlin und … Jerome Boateng.

TV Oeffingen und … Sami Khedira.

DJK Eintracht Erle (PLZ 45891, 27.000 Einwohner) und … Manuel Neuer und Mesut Özil und Benedikt Höwedes und Julian Draxler (Sportinternat)

SV Asper = 22. Wiener Gemeindebezirk und … David Alaba (wenn wir schon in Österreich sind!)

 

Es ist nicht so sehr wichtig, ob wir diese Vereine kennen. Es ist wichtig, ob die ehemaligen C,D,E-Jugendspieler diese Vereine noch kennen. In denen die Weltstars von heute gestern von ihren ehrenamtlichen Trainern erstmals einen Ball vor die Beine geschoben bekamen. Damit sie Stoppen und Passen lernen. Denn damit beginnt jedes Fußballtraining. In den Vereinslokalen dieser Vereine hängen mit Sicherheit ihre Bilder. Man ist stolz auf das ehemalige Vereinsmitglied, das es zu Weltruhm gebracht hat. Ist der Star auch stolz auf seinen ersten Trainer. Auf den Platzwart. Wer hat ihm die Schuhe gebunden, das Trikot gewaschen, ihn zu den Auswärtsspielen gefahren und wieder daheim abgesetzt? Erinnert er sich zurück? Kennt er sie noch? Will er das überhaupt? Denn er lebt mittlerweile auf einem anderen Planet. Als Fußballgott und als vielfacher Millionär. Aus den paar Dutzend Zuschauern, die einst seinen ersten Sportplatz säumten, ist mittlerweile ein Millionenpublikum geworden. Als Zehnjährigen kannten ihn nur Dorf und Familie. Heute die ganze Welt. Und für viele dieser Sportler ist die Frage zu verneinen, die ich grade gestellt habe: Erinnern sie sich? Wollen sie das überhaupt? Meine Vermutung ist, dass dieses Nein, dass diese unendliche Entfernung zwischen Stern/Star einerseits und Heimatplanet Erde mit dem Sportplatz des ersten Dorfvereins andererseits dazu führt, dass viele Fans die Lücke, den Abstand mit Gewalt füllen wollen. Im doppelten Sinn: „mit Gewalt füllen“. Ich beobachte, Sie beobachten, dass Sport und Gewalt nur beim Fußball ein Problem geworden ist. Denn nur dort werden Gehälter gezahlt, welche die Stars auf den anderen Stern (daher ihr Name), auf die anderen Planeten schießen. Ich sage es umgekehrt so: die Gewaltbereitschaft derer, die den Sportlern sagen wir mal beim Bogenschießen zuschauen, ist eher überschaubar.

Was macht das mit uns? Wir sind es ja, die sozusagen als Hinterbliebene unserer Stars weiterhin auf der Ebene Ehrenamt agieren. Uns Zeit raus schneiden aus Beruf und Familie. Mit dem Kalkwagen die Linien ziehen, Rasen mähen, die Umkleidekabine putzen und das Vereinsleben in dem Sinn pflegen, dass der Verein überhaupt am Leben gehalten werden kann. Jede unserer Jahreshauptversammlungen weiß dieses Lied zu singen. Wir sind es, die jeden Cent zusammenkratzen, damit über den Winter Heizöl eingekauft werden kann, der Trainer bezahlt und die Tribüne repariert werden kann. Fast alles in Eigenleistung, natürlich. Wir sind es, die im BLSV die Vereine in unserem Kreisverband Donau-Ries Jahr für Jahr versuchen, ein attraktives Angebot auf die Beine zu stellen. Mit Krediten örtliche Investitionen fördern und beraten und verdiente Mitglieder auszeichnen und Vereinsjubiläen als Gäste ehren und das alles aus reinem Idealismus. Ja, was macht das mit uns an der Basis des Sports, wie man so sagt?

Ich fürchte, es macht noch viel mehr mit uns, wenn wir auf eine Entwicklung schauen, die sich nun nicht mit Blick auf den Sternenhimmel auftut, sondern mit Blick auf ein sich veränderndes Verhalten in unserem eigenen Gesichtsfeld. Noch ist der Sportverein die Gegenwart. Ist er auch die Zukunft? Denn während die Zahl der rund 90.000 Sportvereine in Deutschland mit ihren rund 24 Millionen Mitgliedern seit Jahren stagniert, steigt die Zahl der privaten Fitnessstudios seit 2005 um das Doppelte auf heute gut 10 Millionen Mitglieder in rund 9000 Studios an. Dort verbrauchen sie kein warmes Wasser zum Duschen, das tut man daheim. Die Mitglieder zahlen und kosten nichts. Oder: Menschen ziehen einsam mit Kopfhörern ihre Runden, wollen nichts mit anderen zu tun haben, trainieren völlig losgelöst von ihrer Umwelt in ihrem eigenen Mini-Kosmos. Auch die haben sich auf einen anderen Planeten geschossen. Sie kommen und gehen, wann sie wollen. Für sie zählt nur noch die persönliche Selbstoptimierung. „Sport ist am schönsten im Verein“ - so werben wir, und so ist es auch! Viele von uns sind ja Sportler und Veranstalter zugleich. Der Ipf-Ries-Halbmarathon ist ein Musterbeispiel dafür. Ein Beispiel aber auch dafür, dass die Mitgliedschaft im Verein Engagement über das persönliche Training und den Wettkampf hinaus verlangt. Was aber wie das Ehrenamt, über die persönliche Selbstoptimierung zum Zweck eines attraktiven Körpers und einer überdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit hinaus geht, was also verbindliche und gemeinsame Zeiten anbelangt, Organisation, Besprechungen, abendliche Sitzungen, soziale Disziplin, allgemeine Strukturen in Verein und Verband, Satzungen, Geschäftsordnungen... ist alles das auch die Zukunft des Sportvereins? Noch ist es, wie gesagt, seine Gegenwart. Ist es aber auch seine Zukunft? In den Großstädten mit den unendlich vielen anonymen Vorteilsoptimierern ist das Vereinsleben schon lange auf dem Rückzug. Wir auf dem Land sind tatsächlich die letzte Bastion des Vereinslebens. Wer bei uns Sport treibt, tut es zu mehr als 70% im Verein. Nur 28% ziehen hier das Fitnessstudio vor.

Eine andere Entwicklung, eine andere Veränderung habe ich bereits angedeutet. Nämlich die Zielsetzung. Mit der veränderten Zielsetzung verändert sich auch der Sport. Viele Sportler trainieren heute nicht mehr, um besser zu werden. Schneller, Höher, Stärker. Citius, Altius, Fortius. Die klassischen Motive des Sports seit den Tagen der Antike bei den Griechen und Römern. Statt dessen geht es mehr und mehr um Schönheit und Attraktivität. Weibliche Rundungen galten als Reiz und der männliche Bierbauch als Statussymbol. Weder das eine noch das andere gilt heutzutage und hierzulande als erstrebenswert. Also ziehen neue Formen ein die Welt des Sports wie Zumba oder Yoga oder Nordic-Walking oder Aerobic oder Jazz-Gymnastik. Fit aussehen ist heute so wichtig wie fit sein. Alles Fett-Verbrenner, das. Im Zusammenspiel mit der Ernährung, natürlich!

So leben wir im Augenblick als Vereine im BLSV in einer Zwischenwelt. Weder leben wir im Olymp der Fußballprofis, weil der Leistungssport mit unserem Vereins-Sport nichts mehr zu tun haben kann. Behinderte Menschen können dort keine Heimat finden. Die Summen, die uns hier trennen, trennen uns für immer. Was übrigens auch für uns Zuschauer gilt: ab dem Sommer 18 gibt es die Champions League nur noch im Bezahl-TV. Selbst vor dem Fernseher entstehen zwei verschiedene Welten.

Noch leben wir im Studio der Fitnessindustrie, rund um die Uhr geöffnet, wo du machen kannst, was du willst, keiner stört dich dabei, keiner fragt nach dir. Der Sport dort will mit unserem Vereinssport nichts zu tun haben. Behinderte Menschen aber wollen dort keine Heimat finden.

Dazwischen leben wir, feiern wir, spielen wir, im Verein. Im Verein mit anderen Menschen. Weil wir unser Vereinslokal einfach nur lieben. Weil wir unsere Mannschaft einfach nur gerne anfeuern. Weil wir in der Begegnung Einsamkeit vorbeugen. Weil wir den Farben unseres Vereins von Kindesbeinen an treu geblieben sind. Weil bei uns der Ort ist, wo Gesundheit und Handicap sich begegnen und einander achten. Und weil wir den Zusammenhang mit dem Ursprung des Sports weder vergessen haben noch aufgeben wollen: dass da ein Gott ist, der uns mit einem Leib ausgestattet hat für all die Freuden, die er uns mit ihm bereitet. Und mit einer Seele, die uns in die Gemeinschaft mit anderen führt, die uns dort festhält und etwas schenkt, was immer seltener wird auf dieser Erde und in unserer Zeit: nämlich ein Stück Heimat.

Amen.

 

075, 1-3

 

Fürbitten – mit dem Ruf: „Wir rufen dich an“ und der Antwort: „Herr, erbarme dich“

 

Herr, unser Gott, wir danken dir für unser Leben, dass wir gesund sind, ein schönes Zuhause und eine sichere Heimat haben. Mit guten und besten Freunden. Wir danke dir dafür, dass es uns an nichts mangelt. Das ist alles nicht selbstverständlich. Für alles das danken wir dir heute.

 

Wir bitten dich, guter Gott, segne diese gottesdienstliche Gemeinde am Vilsalpsee und alle, die bei uns daheim im Ries und überall auf der Welt Sport treiben. Lass Kirche und Sport, lass Leib und Seele zum Segen aller zusammenwirken. Mach uns bereit, die Freude des Feierns in den Alltag mitzunehmen und weiterzugeben. Wir rufen dich an: „Herr, erbarme dich!“

Herr, wir bitten um deinen Segen für die Glücklichen und Erfolgreichen. Lehre sie, in ihren Leistungen deine Gaben zu erkennen, dass sie dir danken und sich der Schwächeren annehmen. Wir rufen dich an: „Herr, erbarme dich!“

 

Herr, wir bitten um deinen Segen für die Unterlegenen, dass sie nicht in Neid und Trotz ersticken, sondern wissen, dass im Leben mehr zählt als nur der erste Platz oder die Überholspur. Wir rufen dich an: „Herr, erbarme dich!“

 

Wir bitten dich um Freude am Sport, um Frieden in der Welt, um Gesundheit für die Menschen und um Freiheit zum Leben. Wir bitten dich um Fairness und Ehrlichkeit im Sport und im Zusammenleben mit den Menschen um uns herum. Wir rufen dich an: „Herr, erbarme dich!“

 

Wir bitten dich heute um die Kranken in unseren Gemeinden. Schenke ihnen Trost und Hoffnung. Wir bitten darum, dass denen geholfen wird, denen es schlecht geht an Leib und Seele. Ihren Nachteil zu verbessern oder anzunehmen. Beides verlangt nach Kräften des Leibes und nach Kräften der Seele. Wir rufen dich an: „Herr, erbarme dich!“

Wir bitten für uns alle, lieber Gott, um tiefe Eindrücke hier am Vilsalpsee und um deinen Segen für eine sichere Heimkehr. Was wir sonst noch bitten wollen, legen wir hinein in das „Vaterunser“. Amen.

 

Vaterunser

 

Segen

 

EG 331, 1-3. 9.11

 

Musikalisches Nachspiel Posaunenchor

 

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