Anstoss für den Bayernsport für den Monat September 2018

Ein-Wandern

 

Migration, Probleme mit der Migration, Migration ist gar die „Mutter aller Probleme“, die wir haben. So lesen wir es in diesen Tagen. Nur - was heißt eigentlich Migration?

Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „auswandern, wandern, sterben, verändern, transportieren, verletzten, übersiedeln“. Das hat also etwas mit Bewegung und Veränderung zu tun, und Bewegung ist durchaus eine sportliche Kategorie. Nur, dass es in der Tat sehr ernste Probleme und Fragen sind: Wer kommt zu uns? Warum und zu Recht? Kommen die Richtigen, oder die Falschen? Die lateinische Wortwurzel deutet an, dass Veränderung auch etwas mit Sterben zu tun hat. Für den Ausgewanderten, als auch für diejenigen, zu denen man eingewandert ist, ist etwas „gestorben“, verändert sich etwas. Wir wissen, dass Angst vor Veränderung, gar vor dem „Sterben“, Aggression und Wut und „Um sich schlagen“ (ob nun verbal oder körperlich) auslösen kann, so ist es auch in diesen Zeiten zu erleben.

Am Anfang der Bibel wird von einem ersten Migranten erzählt – Abraham verlässt sein Land, um in das von Gott versprochene Land aufzubrechen, das Volk Israel ist ein wanderndes Gottesvolk und zu guter Letzt ist das Christentum mit Hilfe des Apostel Paulus nach Europa „eingewandert“. Die gesamte europäische Kultur gründet sich auf einer permanenten „Migration“, ob man das nun bedauert, oder nicht.

Auch der Sport lebt von der Migration: Der Fußball ist aus England „eingewandert“, Volleyball und Basketball aus den USA, die Leichtathletik stammt im Wesentlichen aus dem antiken Griechenland.

Kein Profiverein und auch fast kein Amateurverein in Bayern, egal in welcher Sportart, der nicht mittlerweile „multikulti“ ist – kann man auch bedauern, ist aber so.

Ist also Migration wirklich die „Mutter aller Probleme“, oder nicht doch der „Vater aller Lösungen“?

Für den Sport stimmt das in jedem Fall, für das Christentum trifft es auch zu – warum ist es dann für viele Zeitgenossen dennoch so schwierig, damit etwas optimistischer und etwas weniger aggressiv umzugehen?

 

Martin Voß, ev. Sportpfarrer für Bayern, Bad Wiessee