Abschiedsschreiben

 

Ade

Liebe Freunde von Kirche und Sport in Bayern!

In Oberbayern sagt man „Pfüat di“ oder „Griaß di“, wenn man sich verabschiedet. Da wo ich geboren wurde, in Nürnberg, sagt man „ade“. Das kleine Wörtlein stammt aus der Zeit, in der das Französische seinen Einfluss auf den fränkischen Dialekt hatte. Es stammt ab vom französischen „a dieu“, was frei übersetzt heißt so viel wie „geh zu Gott“. Man könnte es auch noch freier übersetzen mit „Behüt Dich Gott“ – dann wären wir auch wieder bei dem, was das „Pfüat di“ ursprünglich gemeint hat.

Im Frühjahr werde ich Pfarrstelle wechseln, ich ziehe um von Bad Wiessee in Oberbayern nach Prichsenstadt in Unterfranken. Im Rahmen dieses Wechsels habe ich auch entschieden, die Beauftragung für Kirche und Sport abzugeben. Die Frage, die dann oft gestellt wird, lautet „Mussten Sie weg?“

Die Antwort ist: Nein. Kein Pfarrer muss weg, Pfarrer bewerben sich und werden genommen, oder nicht, wie andere Beamte auch. So habe ich mich noch einmal entschieden, dass ich die letzten Dienstjahre wieder im evangelischen Franken verbringen will.

Natürlich hätte ich die Beauftragung für Kirche und Sport auch noch behalten können, zumindest aus der Sicht der Landeskirche.

Es gab aber für mich gute Gründe, meist eher praktischer Natur, diesen landesweiten Auftrag nun abzugeben. Zudem bin ich nun seit bald 30 Jahren Mitglied im AK Kirche und Sport, davon ca. 8 Jahre als Vorsitzender und Sportpfarrer der ELKB. Man darf auch Dienste einmal mit gutem Gewissen beenden.

Das ändert nichts daran, dass mein Herz nach wie vor auch für den Sport schlägt und auch für den Dialog von Kirche und Sport. Beides sind manchmal sich fremde Welten, jede für sich spannend und wichtig, sie erscheinen aber oft auch heute noch sehr gegensätzlich. Umso wichtiger diese beiden Welten in einen Austausch zu bringe.

Ich wünsche dem Arbeitsbereich Kirche und Sport in unserer Landeskirche eine gesegnete Zukunft!

Übrigens: Das „zu Gott“ im „Ade“ zeigt noch eine andere Sicht der Dinge an: Neben allen möglichen innerkirchlichen Stellenbesetzungsfragen ist es doch meine tiefe innere Überzeugung, dass es eben auch Gott ist, der unsere Lebenswege lenkt. Und so wird Gott seinen Weg für uns alle wissen.

 

Gott Befohlen!

Martin Voß, Sportpfarrer der ELKB, Bad Wiessee, den 12. März 2020